16 Jahre für Kunst, Künstler und die Region

Wehmütiger Abschied von Prof. Dr. Frank Günter Zehnder

Heimbach/Region. Herausragende Kunstausstellungen zeitgenössischer, international renommierter Künstler wie James Rizzi, Otmar Alt, Arnold Schlader, Tazzino oder Janosch, die man sonst nur in Metropolen sehen könnte, und ein unvergleichlicher Studienort für künstlerische Talente, die als Laien auch noch in ihrem bürgerlichen Berufen tätig sind – das sind die bemerkenswerte Attribute, für die die Internationale Kunstakademie seit fast zwei Jahrzehnten steht. Damit entwickelte sich der Heimbacher Kunst- und Kultur-Standort schon kurz nach seinem Start zu einem Leuchtturm im Kreis Düren.

Nach der Refl exion erhalten die Kursteilnehmer gutgelaunt ihre Zertifi kate aus den Händen der Dozentin (vierte von links)

Seit 16 Jahren, also von Anfang an, stand und fiel die Qualität und stetig wachsende Bekanntheit der Akademie durch die wegweisende wie prägende Arbeit ihres Leiters, Prof. Dr. Frank Günter Zehnder. Nach dieser langen und erfolgreichen Zeit ging nun kürzlich diese Ära zu Ende und der als kommunikativer Visionär Wahrgenommene zieht sich endgültig in den Ruhestand zurück. „Es ist mir nie langweilig geworden. Nie. Das liegt auch daran, dass ich immer mit tollen, engagierten Menschen zu tun hatte und es immer um taufrische Kunst ging“, reflektiert der inzwischen 86-jährige, gelernte Kunsthistoriker aus Euskirchen.

Die Anfänge

Zusammen mit Dürens Landrat Wolfgang Spelthahn und Franz-Josef Hellweg, der dann auch der Verwaltungsleiter der Heimbacher Kunstakademie wurde, waren Prof. Dr. Frank Günter Zehnder die Männer der ersten Stunde. Wie so oft war auch für Prof. Zehnder die besondere Prägung in seiner Kindheit für sein weiteres Leben bedeutend. „Kunst war für mich und meine Familie stets ein großes Thema.“ Schon als kleiner Junge begleitete er seinen Onkel auf zahlreichen Atelierbesuchen. Seine späteren beruflichen Tätigkeiten erwiesen sich für die Heimbacher Kunstakademie als echter Glücksfall. 2005 war der Kunsthistoriker Direktor am Rheinischen Landesmuseum Bonn. 

Bei einem Besuch der dortigen Wiedereröffnung kamen Vertreter unterschiedlichster Landkreise nach Bonn. Prof. Zehnder organisierte die dazu nötigen Konzepte des Projektes. Dabei lag ihm besonders am Herzen, dass das Museum möglichst auf einem Schlag bekannt wurde. Bei der anschließenden Reflexion des erfolgreichen Projektes lernte er Dürens Landrat Wolfgang Spelthahn kennen. Die Chemie zwischen den beiden stimmte von Anfang an. Für Prof. Zehnder ist der Landrat ein echter Macher, und so empfanden sich beide als ein optimales Team, das den Erfolg generieren könnte, den man sich für eine künftige Kunstakademie in Heimbach erhoffte. Wolfgang Spelthahns Wunsch, aus der historischen Burg Hengebach ein Zentrum für Kunst und Kultur zu machen, entstand dann nach Absprache mit dem damaligen Heimbacher Bürgermeister Bert Züll. Natürlich blieben nicht nur bei Prof. Zehnder anfänglich Ängste, ob sich ein solches Projekt wie die Internationale Kunstakademie tragen könnte. Aber da ließen ihn die Stadt Heimbach, der Kreis Düren, die Sparkasse Düren, der Lions Club und die Victor Rolff-Stiftung Gott sei Dank nicht im Stich.


Auch Prof. Zehnders Zeit als leidenschaftlicher Kunsthistoriker am Wallraf-Richartz-Museum in Köln, in der er als Ober-Custos (Kurator) u. a. die mittelalterliche Kölnische Malerei konzeptionierte und dazu forschte, war sicherlich wegweisend für seine spätere Arbeit in Heimbach. Zu dieser Zeit veröffentlichte er seine Forschungsergebnisse in einem vielbeachteten 800-seitigen Werk. Zehnders Leidenschaft für Forschung und Vermittlung trugen in seiner 16-jährigen Arbeit in Heimbach also nicht von ungefähr unübersehbare Früchte. „Die Leute wollen die Dinge erklärt haben“, so Prof. Zehnder.

Prof. Dr. Frank Günter Zehnder geht nach 16 Jahren in den Ruhestand

Die Akademie

Die aufmerksamkeit erregenden ersten Ausstellungen der Kunstakademie, u. a. von Arnold Schlader, Otmar Alt, Herb Schiffer oder Prof. Walter Dohmen, machten den neuen Heimbacher Kunstort rasch weit über die Grenzen der kleinsten Stadt NRWs hinaus bekannt. Doch die Ausstellungen sind nur eines der wichtigen Standbeine. Dem nun scheidenden Akademieleiter ging es auch immer um die Unterstützung talentierter Laien-Künstler. „Ich war begeistert, wie viele tolle, begabte Künstler und Künstlerinnen es gibt, die aber noch nie in den Genuss einer Ausstellung kamen. Genau für diese Laien wollte ich Unterstützung in Form von Studienangeboten entwickeln, die ihnen bessere Chancen als Künstler ermöglichen und ihnen dabei gleichzeitig alle künstlerischen Freiheiten einräumen, aber eben auch Angebote anbieten. Angebote, die sie befähigen, neue Techniken zu erlernen und zeigen, wie man eine Idee erfolgreich umsetzt. Mir war immer wichtig, nicht nur großartige Ausstellungen, sondern auch ein beispielloses Engagement für Laien zu bieten."


Die Kursangebote

Gleich nachdem Prof. Zehnder die Leitung der Akademie übernahm, entstanden in der Burg Hengebach Ateliers und eine Bibliothek. Zahlreiche genreübergreifende Kursangebote, die von befähigten Dozenten begleitet wurden, belebten zusehends die ehrwürdige Burg. Jeder Kurs startet mit einer Begrüßung, in der sich alle gegenseitig vorstellen. Der Tenor ist – wie bei allen Aktionen – sehr persönlich. Dozenten und Kursteilnehmer verstehen sich als Ateliergemeinschaft auf Augenhöhe. Erst nach dem Kursende stößt auch Prof. Zehnder dazu und nimmt sich in Gesprächen viel Zeit für jeden einzelnen Teilnehmer. Und ein menschliches Miteinander ist ihm dabei immer sehr wichtig. Nach der abschließenden Reflexion der Kurse, die für eine individuelle Verbesserung nötig ist, gibt es die langersehnten Zertifikate.


Auch mit ganz besonderen Projekten wie "Heimbach über Rur – Kunst im Busch" oder die "Holz-Kunst Route" die in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Eifel – um nur einige wenige zu nennen – sollte der scheidende Ideen- und Taktgeber dieses einmaligen Kunst- und Kulturzentrums stolz sein. In Dankbarkeit und Wehmut nehmen alle Künstler und Kunstinteressierte Abschied von Prof. Dr. Frank Günter Zehnder, der ganz seinem Charakter treu bleibt, als er zum Ende unseres Interviews vor allem sein Team für die geleistete Arbeit dankt, „ohne die all das Geleistete nie möglich gewesen wäre.“

Text und Fotos: (bvl)