Ein großer Freudentag für ganz Lichtenbusch

Nach dem Wiederaufbau erstrahlt die Banneux-Kapelle in neuem Glanz

Der Schock saß tief, die Enttäuschung war groß. In der Nacht vom 29. auf den 30. August 2022 war die Banneux-Kapelle auf der deutsch-belgischen Seite ausgebrannt. Und das in 55 Jahren ihres Bestehens nun schon das vierte Mal. Erste Erkenntnisse brachten zu Tage, dass es sich um einen „Unfall“ handelte. In jener Nacht stand die kleine Kapelle bereits lichterloh in Flammen, als die Einsatzkräfte gegen 23.48 Uhr alarmiert wurden und anrückten. Sofortige Löschmaßnahmen konnten aber nicht verhindern, dass die Gedenkstätte bis auf die Grundmauern ausbrannte. Erklärtes Ziel war von vornherein ein rascher Wiederaufbau. Der ist erfolgt, die Kapelle strahlt wieder in neuem Glanz.

Pastor Peter Dries bei der Einsegnung der wiederhergestellten Banneux-Kapelle in Lichtenbusch.

Zahlreiche „Liehteböscher“ ließen es sich nicht nehmen, bei der Segensfeier der Kapelle durch Pastor Peter Dries mit dabei zu sein. Freude auf der ganzen Linie über die Wiederherstellung „ihrer“ Banneux-Kapelle. Die Verantwortlichen (die Familien Schumacher und Gatzweiler) hatten mit einer Zelt-Überdachung Vorsorge getroffen, um einer schlechten Witterung begegnen zu können. An der Madonna brannten zahlreiche Kerzen. „Das ist ein Gefühl, wie in den 55 Jahren zuvor“, so war von einer älteren Dame zu hören.

Maximilian Schumacher hieß an diesem Abend ganz besonders Pastor Peter Dries, Raerens Bürgermeister Jérôme Franssen, und den stellvertretenden Bürgermeister des Stadtbezirks Walheim-Kornelimünster, Ladislaus Hoffner, willkommen. Und natürlich den Musikzug der KG Grün-Weiß Lichtenbusch unter der bewährten Leitung von Heinz Sauer, der den kleinen Festakt musikalisch begleitete.

Der Anlaufpunkt, die Gebetsstätte und der Zufluchtsort, sollen wieder so wie früher angenommen werden.

„Fast genau 14 Monate sind seit dem schrecklichen, verheerenden Brand, der unsere geliebte Banneux-Kapelle zerstört hat, vergangen“, rief Maximilian Schumacher allen noch einmal in Erinnerung. Besonders die Nacht vom 29. auf den 30. August, als die Kapelle „lichterloh brannte.“ Der Wiederaufbau habe leider mehr Zeit in Anspruch genommen, als allen lieb gewesen sei. Einmal waren es fehlende Handwerker, dann auch die Witterungsverhältnisse. „Mit Hilfe der Gemeinde Raeren, über die auch eine Feuerversicherung für unsere Kapelle bestand, konnte der Wiederaufbau in Angriff genommen werden. Die Kosten hierfür beliefen sich auf rund 22 500 Euro“, bilanzierte Schumacher. Aus Leistungen der Versicherung der Gemeinde Raeren wurden 19 350 Euro erstattet. Der Rest konnte aus zweckgebundenen Spenden in Höhe von rund 3 600 Euro finanziert werden. Schumacher dankte den großzügigen Spendern ganz besonders herzlich.

Er bedauerte aber, dass während der 14 Monate „Vakanz“ die Gelder aus dem Kerzenverkauf fehlten, mit denen man bisher hilfsbedürftigen Einrichtungen Unterstützung geleistet habe. „Das wird ab sofort wieder unsere Hauptaufgabe sein“, ließ er wissen, um dann ganz besonders Manuela und Horst Gatzweiler seinen Dank für ihr großes Engagement auszudrücken. „Die beiden haben sich um die Abläufe, Handwerker-Koordination und vieles mehr gekümmert, als wäre es ihre eigene Baustelle“, sagte Schumacher unter großem Beifall der Festgäste. Und er vergaß auch die Handwerker nicht. „Wir sollten uns jetzt und heute aber über die Wiederherstellung freuen und hoffen, dass dieser Anlaufpunkt, Gebetsstätte und 

Zufluchtsort rasch wieder so angenommen wird, wie in früheren Zeiten war“, schloss er.

„Über ein Jahr lang mussten wir auf einen vertrauten Zufluchtsort verzichten“, machte Pastor Peter Dries deutlich. Der Totalschaden hat Bestürzung ausgelöst. Heute aber sei die Freude groß, dass man die Kapelle wieder in neuem Glanz präsentieren könne. Mit großer Freude nahm der Pastor dann die Einsegnung der Kapelle vor. Mit dem Lied „Segne du Maria“ endete der offizielle Teil nicht ganz, erst als der Musikzeug die „Ode an die Freude“: „Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium, die „European-Hymn“, erklingen ließ.



Text und Fotos (der)




Lange Flüche und „Götz-Zitate“ waren ein Segen

Seit nunmehr 55 Jahren wird die Gottesmutter in der „Banneux-Kapelle Gebetsstätte Lichtenbusch, Jungfrau der Armen“, so die offizielle Bezeichnung, verehrt. Da werden Erinnerungen an den verstorbenen Präsidenten der Königlichen St. Hubertus-Schützen, Friedel Vogel, wach, der sich über viele Jahre hinweg rührend um das kleine Gotteshaus in Nähe des Schützen-Domizils gekümmert hat. Seine Augen leuchteten, wenn er Fremden von der Entstehung der Kapelle erzählen konnte. Da lauschte man gerne zu, da spürte man viel Herzblut für eine schöne und gute Sache.

Dem 1991 verstorbenen Eynattener Pfarrer Leon Dederichs habe man es zu verdanken, dass es an der Ecke Raerener Straße/Totleger (auf belgischer Seite) das herrliche kleine Gotteshaus gibt, das sich größter Beliebtheit erfreut. Leon Dederichs sei gerne nach Banneux gefahren, wo er 1967 ein Duplikat der Gottesmutter, wie sie in Banneux steht, geschenkt bekommen habe. Erst einmal fand die Madonna in der Gaststätte Schumacher in Lichtenbusch einen festen Platz.

Der Pfarrer hatte aber den einen Wunsch, man möge eine Kapelle erbauen. Woher aber soll das Geld dafür kommen? Da hatte der Wirt Max Schumacher eine fixe Idee: Jeder fluchende Gast im Lokal müsse eine Mark oder 20 belgische Franken dafür blechen. Vogel damals: „Sie können sich vorstellen, da wurde hier auf Teufel komm raus am laufenden Band geflucht, um an Geld zu kommen.“ Und das lief alles super, 1968 wurde die Kapelle eingeweiht und erfuhr sogar eine Erweiterung um eine kleine Antonius-Kapelle mit Glockenturm (deren Einweihung fand 1992 statt). Der Name für das Ensemble stand rasch fest: „Banneux-Kapelle Gebetsstätte Lichtenbusch, Jungfrau der Armen.“ Und weil erfreulich viel Geld für die Errichtung über das Fluchen geflossen ist, nennt man sie lange schon „Leck-mich-am Arsch-Kapelle!“

Großen Wert legt man in Lichtenbusch darauf, dass diese Kapelle „nicht der Kirche“, sondern der Dorfbevölkerung gehört. Daher kann man über die Einnahmen aus dem Opferstock frei verfügen. So werden jährlich mehrere Tausend Euro an soziale Einrichtungen gespendet. Die Schattenseite: Viermal insgesamt ist das kleine Gotteshaus abgebrannt. Dank einer guten Rücklage konnte es immer wieder aufgebaut werden. Ein „Kapellen-Trio“ (Maximilian Schumacher, Karl Hoffmann, Friedel Vogel (+) kümmerte sich engagiert um die Geschäfte und Pflege. Jetzt ist es nur noch ein „Pflege-Duo“ Die Familien Gatzweiler und Schumacher. 2019 konnte man mit beiden Pfarrgemeinden aus Eynatten und Lichtenbusch das 50jährige Bestehen feiern.